Geschichte der Rasur

Bevor die Rasierklinge erfunden wurde, musste sich der Mensch anderweitig behelfen, wenn er keinen Bart tragen wollte. Tatsächlich entsprachen lange Bärte aber lange Zeit der Mode in vielen alten Kulturen. Das Tragen eines Bartes galt als Zeichen der Reife und Männlichkeit und war evtl. mit entsprechenden Ritualen und Kulten verbunden. Bei den Ägyptern unterschieden sich die Bartmoden in den unterschiedlichen Epochen. Mal waren lange Bärte in Mode, es gab aber auch Königssöhne mit Schnurrbärten, alle Pharaonen mussten einen kultischen Bart tragen, das galt auch für den Fall, dass der Pharaoh eine Frau war. Die Herrscher und Krieger der Sumerer, eine andere frühe Hochkultur, trugen ausschließlich lange Bärte.

Rasur in prähistorischer Zeit

Doch die Geschichte der Rasur beginnt eigentlich schon in prähistorischer Zeit, als die Menschen den Metallguss noch nicht entdeckt hatten. Funde in der ganzen Welt belegen, dass die Menschen schon in der Steinzeit ihre Bärte schnitten, rasierten und auszupften. Werkzeuge waren dabei Messer aus scharfen, festen Gesteinsmaterialien wie Obsidian und Flint, auch Muscheln oder Haizähne wurden geschärft, um die Barthaare zu rasieren. Dabei muss die Rasur in der Praxis wahrscheinlich oft mehr einem Abschaben denn einem Rasieren geglichen haben. Da genannte Materialien zum einen nicht so scharf geschliffen werden können wie Metalle und da sie zum anderen auch viel schneller stumpf werden. Daher haben sich natürlich auch andere Methoden neben dem Rasieren entwickelt. Mit Muschelschalen konnten einzelne Haare ausgezupft werden und offenbar wurden Haare in der Steinzeit auch einfach weggebrannt, was evtl. auch als Maßnahme gegen Wanzen und Flöhe angewandt wurde.

Rasur in der Antike

Ägypter

Laut der Encyclopedia Britannica fand man in ägyptschen Gräbern feine Klingen aus Kupfer und Gold, mit denen sie sich offenbar rasiert haben. Die Funde gehen dabei bis ins 4. Jahrtausend v. Chr. zurück, das war zu einer Zeit, als sich andere Völker noch mit Obsidian- und Flintklingen rasierten.
Es gibt aber kaum Anzeichen dafür, dass die Technik des Rasierens sich von Ägypten aus großflächig weiter verbreitete. Im Laufe der Zeit und mit dem schleichenden Untergang der ägyptischen Kultur ging die Schmiedetechnik der Ägypter offenbar verloren.

Römer und Griechen

Erst Jahrtausende später sollten sich Rasiermesser wieder bei Römern und Griechen durchsetzen. Während das Tragen eines Bartes bei den Griechen noch bis ins 4. Jahrhundert v. Chr. weitverbreitet und als allgemeines Zeichen der Reife und Männlichkeit galt, setzte sich die Rasur bei den Römern schon im 5. Jahrhundert v. Chr. durch. Laut einer Überlieferung soll ein römischer König namens Lucius Tarquinius Priscus die Rasierklingen im 6. Jahrhundert v. Chr eingeführt haben.
In Griechenland verbreitete sich die Rasur erst unter Alexander dem Großen. Er verbot seinen Soldaten das Tragen eines Bartes. Bis heute ranken sich Legenden um diese historische Tatsache. Angeblich soll Alexander das Tragen eines Bartes verboten haben, damit Feinde seine Soldaten im Kampf nicht an den Bärten ziehen konnten. Eine andere Legende lautet, dass Alexander selbst nur einen sehr spärlichen Bartwuchs besaß und dass er das Verbot aussprach, um nicht als unmännlich zu gelten. Nicht unwahrscheinlich ist aber auch, dass Alexander, der sich für andere Kulturen interessierte und teilweise ihre Sitten und Moden übernahm, die Rasur bei anderen Völkern erlebt hat und diese als schöner oder sauberer empfand. Die alten Griechen rasierten sich mit dem sogenannten Novacila, einem Eisenblock, der an einer Seite eine scharfe Kante besaß.
Auch die Römer besaßen das Novacila. Die Römer rieben sich aber auch teilweise den Bart mit Bimssteinen ab, was wohl eine schmerzhafte Angelegenheit gewesen sein musste. Julius Caesar, der an einer wohl nicht ganz unbegründeten Paranoia litt, mied die Rasur. Er ließ sich die Barthaare angeblich mit Pinzetten auszupfen.

Bartmode(n) im Mittelalter

Durch das gesamte Mittelalter zieht sich der Kampf zwischen Klerus und Adel um Macht, Vorrechte und Privilegien. Auch die Rasur war im frühen Mittelalter ein solches Privileg des Klerus. Ursprünglich in ganz Europa lediglich den Priestermönchen und Monarchen vorbehalten (ungeweihte Laienmönche trugen Bart und wurden „frates barbati“ – bärtige Brüder genannt), verbreitete sich die Mode des Rasierens zunächst unter dem französischen Adel und von dort aus nach ganz Europa. Dass Karl der Große und Otto I. lange, wallende Bärte trugen, galt als ungewöhnlich.
Allgemein war die Glattrasur nicht so verbreitet wie heute, sondern man scherte den Bart wortwörtlich, wodurch Stoppeln zurückblieben. In der damaligen Wahrnehmung galten Mönche und Adelige aber dennoch als rasierte bzw. bartlose Menschen. Im Spätmittelalter hatte sich die Rasur auch auf das einfache Volk übertragen.

Rasieren in der Moderne

Bis zur Neuzeit änderte sich nicht allzu viel an der Technik des Rasierens. Mit Klingen, Scheren und Pinzetten konnte man sich bei einem Barbier oder Friseur den Bart nach der jeweils herrschenden Mode gestalten lassen. Doch in der Moderne gibt es mehrere Faktoren, die einen regelrechten Innovationsschub auslösen. Zum einen entwickeln sich im Frühkapitalismus günstige Herstellungsmethoden und man entwickelte den rostfreien Stahl. Zum anderen entwickelte sich ein Bewusstsein für Hygiene und das Bedürfnis, die Rasur bequem, günstig und zuhause im Bad durchzuführen.
Trotz vieler Innovationsversuche ab Mitte des 18. Jahrhunderts setzte sich erst 1847 ein Rasierer durch, den wir in seiner Grundform noch bis heute benutzen. Ein Rasierer mit einem handlichen Griff und einer Klinge am vorderen Teil (davor benutzte man seit der Antike das Rasiermesser). Anfang des 20. Jahrhunderts wird in den USA der erste Rasierer mit austausch- und wegwerfbaren Klingen von einem ehemaligen Wanderhändler namens Gilette auf den Markt gebracht. In den Sechzigern kommen erstmals elektrische Rasierer in die Haushalte der westlichen Welt.

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